BACKSTREET GIRL (Yard Girl) von Rebecca Prichard

Studio für Neue Stücke DIE WEIBER, Tscheljabinsk
Regie: Jelena Kalushskich

in russischer Sprache mit deutscher Simultanübersetzung

TERMINE:

Aalen   05.12.03 20 Uhr Stadttheater
Aalen 07.12.03 11 Uhr Publikumsgespräch im Stadttheater
Leipzig 09.12.03 20 Uhr die naTo
Berlin 16.12.03 - 19.12.03 20 Uhr Orphtheater

Boo und Marie ziehen in einer Girl-Gang durch London; Jungs aufreißen und cool abblitzen lassen. Abtanzen in der Stammdisco, sich mit anderen Cliquen Prügeleien liefern und jede Menge Spaß haben. Marie erfährt, dass sie von irgendwem schwanger ist. Wie Boo und Marie den Überblick verlieren und Marie Scheiße baut. Wie Boo für Marie in den Knast geht, während Marie draußen versucht ihr Leben zu regeln ... Vor allem erzählen sie von ihrer Freundschaft, die sie die schlimmsten Krisen überstehen lässt, die sei am Leben hält - und die dennoch nicht unzerstörbar ist.

Yard Girl ist ein Stück über verpasste Chancen und zerbrochene Träume, voll Überlebenswillen und pulsierender Energie. In einer Rap-ähnlichen "Poesie der Strasse" spielen sich Marie und Boo die Sätze zu wie Basketbälle, und doch erscheinen hinter der toughen Fassade zwei sehr verletzliche Menschen.

"Yard" oder "Yardie" nennen sich die Mitglieder von Londoner Gangs, die überwiegend aus Jamaikanern bestehen. Boo und Marie, die beiden Hauptfiguren im Stück, sind "Yard Girls". Sie erzählen ihre Geschichte: Sex, Drogen, Strassenkampf – das sind die Überlebensmittel im heruntergekommenen Londoner Stadtteil Hackney.
Von der Gesellschaft und der Zukunft erwarten sie nichts mehr. Einzig ihre scheinbar unverbrüchliche Freundschaft gibt ihnen Halt und Mut zum Weitermachen. - Einmal eine wahre Freundin gehabt zu haben, hat in Boo und Marie den Keim Hoffnung eingepflanzt, der für das Überleben auf der Strasse nötig ist.

HINTERGRUND:
1979 gründeten zwei weibliche Häftlinge im englischen Askham Gefängnis die "Clean Break Theatre Company". Inzwischen gibt die Truppe jedes Jahr bei einem Profi-Schreiber ein Stück in Auftrag. So entstand auch der Kontakt zu Rebecca Prichard, die nach ausführlichen Recherchen in einem Frauenknast 1997 das Stück "Yard Girl" veröffentlichte. Die Erzählform von "Yard Girl" ist dem Gefängnisalltag entlehnt: "Clean Break" bedeutet nämlich reinen Tisch machen, einen Schlussstrich ziehen unter seiner Vergangenheit. In englischen Gefängnissen beginnt mit dem Erzählen der eigenen Geschichte die Resozialisierung, eine mögliche neue Zukunft.

Rebecca Prichard, 1971 geboren, studierte Drama an der University of Exeter. Ihre vorherigen Stücke, Essex Girls (1994), It Could Be You (1995) und Fair Game (1997) sind ebenfalls am Londoner Royal Court Theater uraufgeführt worden. Yard Girl entstand in Zusammenarbeit mit der "Clean Break Theatre Company", einer Theatergruppe für weibliche Straffällige und Ex-Häftlinge. Es wurde am 5.7.1998 in der Regie von Gemma Bodinetz am Royal Court uraufgeführt. Die deutsche Erstaufführung war am 8.1.1999 am Schauspiel Essen in der Regie von Susanna Enk.

     


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