SOLDATENBRIEFE nach einer Idee von Michail Ugarow

Studio für Neue Stücke DIE WEIBER, Tscheljabinsk
Regie: Jelena Kalushskich
mit Natalja Skolowa, Julia Resnitschenko, Janina Kriwospizkaja, Alla Totschilkina

in russischer Sprache mit deutscher Simultanübersetzung

TERMINE:

Aalen   06.12.03 20 Uhr Stadttheater
Aalen 07.12.03 11 Uhr Publikumsgespräch im Stadttheater
Leipzig 08.12.03 20 Uhr die naTo
Berlin 13.12.03 - 15.12.03 20 Uhr Orphtheater

Es gibt niemanden, der nichts mit der Armee zu tun hat. Der eine hat schon gedient, andere haben einen Bruder, der sich zur Zeit in den Reihen der Streitkräfte befindet, andere müssen ihre Kriegspflicht erst noch erfüllen. Was ist Kriegsdienst? Über was singen Soldaten? Was bedeutet Freundschaft? Was ist Liebe auf Distanz? Dieser Fragen nimmt sich das dokumentarische Projekt „Soldatenbriefe“, basierend auf realen Ereignissen und Schicksalen, an. Authentisches Material aus extremen Lebenssituationen, menschliche Charaktere – lustig, tragisch, rührend, vorgetragen von vier Schauspielerinnen ohne Männer……

Im „Royal Court“, dem Londoner Theater, das sich aktiv mit moderner Dramatik beschäftigt, wurde vor einigen Jahren eine neue und sehr produktive Technik zum Schreiben von Theaterstücken entwickelt – Verbatim („Wort im Wort“). Bei dieser Methode gibt der Autor ein Thema vor und die Schauspieler „gehen auf die Straße“, reden mit Menschen und provozieren diese zu offenen Gesprächen. Diese Monologe werden aufgeschrieben, der Schauspieler erarbeitet seine individuelle Figur auf deren Basis, und der Regisseur sichtet und sortiert das Material. In London sind bereits viele Stücke, die nach dieser Methode geschrieben wurden, herausgekommen und einige davon schockten das Publikum. Das fast unbearbeitete Material ist provokant, besonders, wenn das vorgegebene Thema Sex oder Gewalt ist (z. B. „Körpersprache“ und “Vagina Monologe“).
Stolz auf ihr Know-how fingen die Engländer an, in der ganzen Welt Seminare durchzuführen, die dieser Methode gewidmet waren. Vor drei Jahren tauchten ihre Missionare in Russland auf und die russischen Dramatiker und Regisseure fingen ebenfalls an, „reale Stücke“ zu kreieren. In Russland bekam diese Strömung den Namen „Dokumentartheater“
Die als Organisatoren Moskauer Seminare bekannten Dramatiker Jelena Gremina und Olga Michajlowa gründeten zusammen mit den jungen Dramatikern Alexander Rodionow und Maxim Kurotschkin in der Moskauer Dreiteichegasse das „Theater.doc“, wo jetzt Dokumentardramen gezeigt werden. Sie erhielten mehrere Auszeichnungen, reinigten den alten Hof, stellten dort Stühle auf und machten Theater.

Zu den ersten Gästen gehörte das Tscheljabinsker Theater „Baby“. Das Theater, in dem vier junge Schauspielerinnen und ein junge Regisseurin arbeiten, zeigte eine Komposition aus Erzählungen über Armeedienstschicksale der neunziger Jahre. Mütter, Schwestern und Freundinnen lesen ihre Briefe von jungen Soldaten. Die einfachen Erzählungen über ermordete, übel zugerichtete, erniedrigte und einfach traurige Jungs müssen einfach Mitgefühl hervorrufen.
Besonders beeindruckend ist der Monolog der „Frau“ eines Kommandeurs: In der mit Mutterflüchen gespickten Erzählung geht es um ein junges Mädchen, das sich für drei Monate in Tschetschenien hat anwerben lassen, um Leichen wegzuräumen und bis heute diese Zeit als Glück erinnert.

Das Studio DIE WEIBER formierte sich zur Jahrtausendwende. Eine besondere Eigenschaft dieses originellen Ensembles ist die Synthese altgriechischen, mythologischen Theaters mit der französischen Romantik und dem modernen Autismus. Die Besonderheit des Theaters liegt darin, dass ausschließlich „Weiber“ teilnehmen – mutige, freche, talentierte.

      

 


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