WLADIMIR SOROKIN TRILOGIE

1. „Krautsuppe, tiefgefroren“
vom Maxim Gorki Theater, Berlin
2. „Hochzeitsreise“
produziert vom „Goldene Maske“ Festival, Moskau
3. „Dostojewski Trip“
Theater „Rote Fackel“, Nowosibirsk

TERMINE:

München 11.02.04 „Krautsuppe, tiefgefroren“ Reithalle 
  12.02.04 „Hochzeitsreise“ Reithalle
  13.02.04 „Dostojewski Trip“ Carl-Orff-Saal


Der Mensch, so schreibt Leo Trotzki 1923, soll „unvergleichlich stärker, klüger, feiner werden, sein Körper – harmonischer; seine Bewegungen – rhythmischer; seine Stimme – musikalischer“. Was ist aus ihm geworden, dem Neuen Menschen der sowjetischen Utopie, der durch die optimale Ausnutzung aller Körperfunktionen die Menschheit auf eine nie gesehne Stufe erheben sollte?

Wladimir Sorokin führt sie uns vor, die Erben dieses „Neuen Menschen“: Es sind auf Triebbefriedigung reduzierte Wesen, die onanieren, kopulieren, zerhacken, pissen und Kot essen, die sich in Wort- und Satzorgien ergehen. Eine ganz normal scheinende Wirklichkeit – eine Mutter, die mit ihrer Tochter das Grab des Vaters besucht, eine Lehrerin, die ihren Schüler bittet, ihr beim Aufräumen zu helfen – verwandelt sich bei Sorokin ganz schnell in ein von Blut, Kot und Sperma dampfendes Horrorkabinett. Längst gilt der sanft wirkende Moskauer mit der leisen Stimme, Jahrgang 1955, als Meister des Monströsen und Perversen. Was Sorokin dabei angreift, ist aber nicht nur der Neue Mensch der sowjetischen Utopie, es ist vor allem auch dessen Sprache. Denn Sorokin ist ein virtuoser Imitator aller Stile und Sprachschablonen, die in seinen Texten ebenso unters Messer geraten wie der Mensch selbst. Sorokin betreibt, so Annette Brockhoff in einem der ersten Essays über ihn, „literarische Leichenschändung“, mit der Sowjetunion als gigantischem Leichenschauhaus.


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