STARREN IN DIE UNENDLICHKEIT und WARTEN

Theater für Modernen Tanz Tscheljabinsk
Choreografie: Olga Pona

TERMINE:

Berlin 11.02.04 - 12.02.04 Hebbel am Ufer HAU 2
Düsseldorf 14.02.04 - 15.02.04 Tanzhaus NRW
München 17.02.04 Reithalle
Frankfurt am Main 19.02.04 Mousonturm

STARREN IN DIE UNENDLICHKEIT

„STARREN IN DIE UNENDLICHKEIT ist dem russischen Choreografen Jewgenij Panfilow gewidmet, der vor ungefähr einem Jahr gestorben ist. Vielleicht ist die Aufführung aus diesem Grund so zurückhaltend und direkt, mit einem sehr klaren choreografischen Fokus. Aber, selbst wenn STARREN nicht durch diese Widmung unterstützt würde, würde sie sich durch die speziellen Eigenschaften von Olga Ponas Choreografie hervorheben: expressive Form und reine Bewegung, minimalistisch und gleichzeitig bedeutungsvoll, Soli und Gruppentänze. Die Tänzer - nur Männer, die Bühne – unbearbeitete Holzhocker, die Musik – Männerduette- oder soli, Volkslieder, die live auf der Bühne gesungen werden. Lieder und Tänze gehen ineinander über, wenn die Sänger scheinbar unbeabsichtigt Teil des Tanzes werden, und schaffen eine besondere maskuline intime Atmosphäre: hier wird nicht nur Kraft, sondern auch Fragilität enthüllt. Die Männer sind isoliert, suchen aber gleichzeitig nach Kommunikation.

Die Bewegung variiert von scharf bis weich, von langsam bis expressiv, als ob sie die starke Schulter eines Freundes, eine warme und friedliche Hand, eine Geste des Verzeihens und der Versöhnung spüren möchten. Gekleidet in einfache fast legere dunkle Anzüge machen die Tänzer den Eindruck, als ob sie gerade zufällig vorbeigekommen wären und nun ins Theater gefallen wären. Sie verschwinden fast im dunklen Raum. Aber wenn sie anfangen sich zu bewegen, in vom Choreografen kreierte Beziehungen zu treten, beginnt die Aufführung ein „maskulines Leben“ zu leben – intensiv und voller Konzentration.“
(Rasa Vasinauskaite in „Literatura ir menas“, 14.05.2003)

    

 

WARTEN

Warten ist ein evidenter Bestandteil des russischen Lebens. Warten auf den Kommunismus und damit auf ein besseres Leben, Warten auf den Kapitalismus und damit auf ein besseres Leben, Warten auf den Winter, Warten auf den Sommer, Warten auf den nächsten Bus, warten auf den nächsten Zug. Warten wird zur Lebensaufgabe: Morgen wird alles besser.

WARTEN ist eine "surreale Hommage an eine Jugend im Ural. Eine trügerische Landidylle: Von gleißendem Licht überstrahlt schlurfen drei Bäuerinnen auf die Bühne. Mit dem Einsatz eines elektronischen Klanggewitters wirbeln sie um die eigene Achse. Ein Hexentanz, die Lumpenkleider fliegen zu allen Seiten davon und geben drei junge Männer in schwarzem Straßenanzug frei.

Der Auftakt eines atemlosen Reigens, in dem Licht, Ton und Choreografie nahezu perfekt ineinandergreifen. Ein Fenster leuchtet auf, hinter den beschlagenen Scheiben frierende Frauen. Erst rieselt der Schnee, dann ertönt Vogelgezwitscher; der Flirt der Dorfjugend kippt jedoch bald ins Gespenstische: Die jungen Frauen entblößen ihre Brüste - umworben von Verehrern in Schwarz, doch bei der ersten Berührung schon hauchen sie ihr Leben aus. Zu Puppen erstarrt stehen sie inmitten alter russischer Bäuerinnen; ein Schlusstableau, hypnotisch wie verstörend."
(Süddeutsche Zeitung 02.02.2002)

    

Olga Pona

Olga Pona wurde 1959 in Noworossisk im Orenburger Gouvernement geboren. Mit 16 Jahren kam sie nach Tscheljabinsk, um Maschinenbau am Polytechnischen Institut zu studieren. 1981 schloss sie ihr Studium mit dem Spezialgebiet Auto- und Traktorenbau ab. Mit 21 Jahren begann sie ihr Tanzstudium am Tscheljabinsker Kulturinstitut und schloss es 1985 ab. In Workshops in Jekaterinburg, Nowosibirsk und Moskau lernte sie den Modernen Tanz kennen.

Sie arbeitet als Lehrerin, Choreografin und Tänzerin des Tscheljabinsker Theaters für Modernen Tanz, das 1992 gegründet wurde und von Wladimir Pona geleitet wird.

1999 wurde Olga Pona als Gastkünstlerin ins European Dance Development Center (EDDC) nach Arnhem, Holland, eingeladen.
Nach mehreren Auftritten auf Festivals in Wolgograd und Jekaterinburg im Herbst 1999, wurde die Einzigartigkeit und Spontaneität ihrer Arbeit auch bei westlichen Organisatoren bekannt. Im März 2000 wurde „Hab ich dich oder hab ich dich nicht?“ für das „Goldene Maske-Festival“ nominiert. 2001 und 2002 gab das Tanzhaus NRW in Düsseldorf Olga Pona und ihren Tänzern die Möglichkeit, „One more bird“ und „Warten“ zu kreieren.

Das Tscheljabinsker Theater für Modernen Tanz gastierte mir Olga Ponas Arbeiten bei Festivals in Russland (Wladiwostok, Nowosibirsk, Moskau, St. Petersburg, Tscheljabinsk, Wolgograd, Jekaterinburg, Jaroslawl), Belorussland (Witebsk), Polen (Gdansk, Bytom, Kalisz), Kasachstan (Almaty), Litauen (Vilnius), Holland (Rotterdam), Deutschland (Düsseldorf), Korea (Seoul) und Frankreich (Nizza).

 


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